Mein Lieblingssong zum Thema "Musikvideo"
18.05.2020 | Marco Kampe


Johannes Kley
Musikvideos sind eine Kunstform, die ich ehrlicherweise in den letzten Jahren mehr und mehr ignoriert habe. Früher habe ich täglich MTV geguckt und die neusten Songs samt Videos konsumiert. Mit dem Untergang des Musikfernsehsenders und der vermehrten Nutzung des Internets änderte sich anfangs nur der Bildschirm, an dem ich Musikvideos geschaut habe. Mittlerweile langweilen mich die meisten einfach nur noch. Entweder gibt es billiges Stock-Footage oder man sieht eine Collage von Live-Mitschnitten. Ich mag die Videos, die Fans zu Vaporwave-Alben oder -Songs erstellen, aber die zählen wohl nicht wirklich als Musikvideo im klassischen Sinne. Dennoch gibt es ab und zu Ausnahmen und dazu zählt ohne Zweifel „Kaputt wie ich“ von Tarek K.I.Z. mit dem krassen One-Take-Video.
Das Video hat nicht direkt etwas mit dem Song zu tun, passt aber dennoch und hat mich beim ersten Ansehen direkt gefesselt. Das haben Musikvideos schon sehr lange nicht mehr geschafft. Die grausamen Szenen des Videos fügen sich problemlos mit dem sehr persönlichen Text zusammen und schaffen eine düstere und depressive Atmosphäre. Allein dafür liebe ich den Song und die bewegten Bilder. Ich werde Musik weiterhin eher über bandcamp, die Nine-Inch-Nails-Seite und Bandaccounts finden, aber „Kaputt wie ich“ hat mir gezeigt, dass Musikvideos noch nicht komplett wertlos geworden sind. Dafür liebe ich es.
Weitere Anspieltipps:

Meret Stursberg
Ich habe definitiv schon einige gute Musikvideos gesehen, wobei ich zwei auch schon in anderen Rubriken von "Mein Lieblingssong" verwendet habe. Einmal meine Auswahl zum Thema "Serien" und einmal in der letzten Ausgabe "Depressionen". Doch ich habe ein Video, welches mich sehr in seinen Bann gezogen hat und mit einer Mischung aus gezeichneter Absurdität und absurdem Zeichenstil überzeugt. Mal ganz davon abgesehen, dass der wirklich sehr gute Underground-Rapper Prezident aus Wuppertal seine herrlich an Bukowski angelehnte, weltverachtende Meinung schön lyrisch verpackt und uns mal wieder vor Augen führt, wie sinnlos das hier alles doch ist, ist das Video eines der Besten, die ich je gesehen habe. Also kühlt den Whiskey, lehnt euch zurück und schaut zu:
Weitere Anspieltipps:
The Defectives - WE ARE DEFECTIVES

Kai Weingärtner
Zugegeben, meine Auswahl an dieser Stelle könnte man streng genommen als Schummelei werten, immerhin beinhaltet sie eigentlich gleich fünf Musikvideos statt nur einem, aber es handelt sich dabei schließlich auch um nicht weniger als das "Wannabe" der deutschen Post-Hardcore-Szene! Fjørt schaffen es in ihrer "Hotelsession", 5 Live-Performances von Songs ihres legendären Albums "Coleur" in einen 25-minütigen (Pseudo-)Onetake zu verpacken. Trotz fehlendem Publikum kommt hier die brutale Wucht einer Fjørt-Show extrem gut zur Geltung. Gepaart mit der bedrückenden Atmosphäre des leerstehenden Hotels Waldlust ergibt sich eine Musikvideo-Collage für die Ewigkeit. Gibt es eine spektakulärere Art und Weise, ein Album zu bewerben? Der YouTube-User False King fasst es passend zusammen: "das ist das beste video im gesamten internet".
Weitere Anspieltipps:
Tool - "Schism"
Goldroger - "Bombermann"
Marco Kampe
Der vormalige Fokus auf verzerrte E-Gitarren ist bei Marco einem übergeordneten Interesse an der Musikwelt gewichen. Die Wurzeln bleiben bestehen, die Sprossen wachsen in (fast) sämtliche Richtungen. Darüber hinaus bedient er gerne die Herdplatten oder schnürt sich die Laufschuhe.