Betamensch und ihre Debüt-EP: Alternative Rock mit Pop-Appeal
22.02.2018 | Sarah Ebert

Obwohl Betamensch bereits seit vier Jahren bestehen, darf man sie getrost noch als Alternative-Newcomer bezeichnen. Aus einer Schnapsidee heraus fanden sie sich zusammen, darauf folgten die Neubesetzung des Schlagzeugers, Verhandlung mit einem Major-Label, völlige Überarbeitung des eigenen Sounds während einer ausgedehnten Selbstfindungsphase, Rückkehr mit authentischen Material, Support-Touren und Festival-Auftritte. Obwohl sich der Werdegang wie die Bandbiografie einiger Rockgrößen liest, mutiert er bei Betamensch zum gigantischen Warm-up für den ersten großen Wurf: Die selbstbetitelte Debüt-EP.
Da jeder der drei Freunde bereits in anderen Konstellationen Banderfahrungen sammeln und Bühnenluft schnuppern konnte, war der Anspruch an das erste gemeinsame Werk hoch. Sie wollen Musik machen, die ihnen selbst gefällt und weder für die Massenkompatibilität rundgelutscht wurde noch besonders hip daherkommen muss. Das Ergebnis ist eine EP, die sich auf die grundlegenden Merkmale des Alternative-Rock besinnt: Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang – ohne aufwendige Effekte, elektronische Inszenierungen oder experimentelle Einflüsse.
Inhaltlich lässt sich auf der EP noch kein roter Faden erkennen, nur so viel: Das Trio verhandelt im weitesten Sinne Persönliches. So prangern sie den Selfie-Filter-Wahn in sozialen Netzwerken an, verarbeiten einen Suizidversuch im Bekanntenkreis, besingen das Scheitern und Wiederaufrichten und entdecken den Erlebnishunger im Alltagstrott.
Die fünf ausgewählten Songs bestechen mit einem druckvoll treibenden Schlagzeug, melodisch dichten Gitarrenwänden und einer konsequent tragenden Bassline. Der deutschsprachige Gesang hebt sich vom eher robusten Sound der Instrumentalstimmen ab und weckt unwillkürlich Pop-Assoziationen, da Mayorga weitestgehend auf wilde Gesangseinlagen verzichtet und stattdessen dem Vibrato seiner hellen Stimme Raum gewährt. Nur in wenigen Momenten, wie beispielsweise gegen Ende der ersten Single „Ein Blick“, gibt er seinem Gesang einen roheren und wütenderen Klang, was ihm ausgesprochen gut steht und für meinen Geschmack deutlich häufiger passieren dürfte!
Wertung
Betamensch legen eine gelungene erste EP vor, die Lust auf mehr macht. Die eingängigen Songs bleiben im Ohr und das ausgewogene Zusammenspiel von Rock und Pop-Einflüssen verleiht dem schnörkellosen Alternative-Sound eine gewisse Leichtigkeit.

Sarah Ebert
Sarah lebt in Frankfurt und hat ihr Studium der Germanistik, Philosophie und den Erziehungswissenschaften gewidmet. Sie brennt für gute Musik aller Art, lässt sich aber wohl am ehesten zwischen Punk, Rock & Indie verorten.