Das Ding ausm Sumpf und „kränk“: Ein Rapper mit Hirn, der die Mainstream-Deutschrap-Szene auf den Kopf stellen wird
09.03.2020 | Paula Thode

Mit einem Doktor in VWL und einem abgeschlossenen Operngesang Studium plötzlich alles hinzuschmeißen und sich nur noch auf Musik zu konzentrieren klingt erstmal ziemlich „kränk“. Das hat der Münchner Rapper Das Ding aus Sumpf zu oft zu hören bekommen und widmet seinen ersten Song auf dem gleichnamigen Album allen Menschen, die das eben für krank und schwachsinnig halten und will ihnen so beweisen, dass man eben auch anscheinend alles im Leben erreicht haben kann und trotzdem irgendwie nicht erfüllt ist.
Der Sound klingt so als hätte man Marteria und Käptn Peng gemixt und dazu noch ne Prise Fynn Kliemann hinzugegeben. Auf einem düsteren Trap Beat spricht er große gesellschaftliche Themen an. Zeitlich sehr brisante Themen, wie Rassismus und fremdenfeindlichkeit, beziehungsweise das Bild des typischen AfD „Patrioten“, werden im Track „Genau du“ thematisiert. Der Song erinnert von der Thematik an „Gute Menschen“ von OK Kid, da dort auch die Redewendung „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ näher unter die Lupe genommen wird und dass genau diese Aussage eben nur von Menschen mit rassistischer oder homophober Einstellung kommt. Der Beat bezieht sich auch auf das Thema und deshalb wird die zweite Strophe mit einer Art bayrischen Volksmusik eingeleitet, die dann wieder in tiefen Bässen endet.
Wenn man einen Pelikan und einen Albatros im Senegal sehen könnte, könnten Käptn Peng und Das Ding aus Sumpf zusammen „Sie mögen sich“ Part 2 aufnehmen. Wenn die Freundin, die man von Herzen liebt plötzlich mit einem anderen in den Senegal fliegen will, um Vögel zu filmen, ist die Enttäuschung meist fast so groß wie die Wut, die sich in einem sammelt. Der Wechsel zwischen sich für den anderen freuen und großer Trauer setzt das Ding ausm Sumpf um, indem der Track plötzlich von entspannten Gitarrenklängen hin zu einem in die Brust steigenden Beat umschlägt.
Das Album ist so vielfältig gestaltet, dass es seine eigene Dynamik entwickelt. Das Ding ausm Sumpf legt seine raue Stimme über einen tiefen Trap Beat und rappt darüber, was ihn gerade stört. Die Bandbreite, die der Künstler damit erkunden wollte, ist riesengroß und führt dazu, dass man das Ding ausm Sumpf nicht wirklich in eine Genre-Schublade stecken kann. Er verschmischt verschiedene Genres und macht sein eigenes Ding draus. Also jeder der schon immer einmal wissen wollte, wie Marteria, Käptn Peng und Alligatoah zusammen klingen würden, der sollte sich unbedingt das Album „kränk“ anhören.
Wertung
Einfach mal in einem Album über das Brechen gesellschaftliche Normen, Rechtsruck und Fremdenfeindlichkeit, häusliche Gewalt und das „Sich fehl am Platz fühlen“ rappen. Die Kunst bei so vielen Themen ist, nicht in oberflächliche Phrasen zu verfallen, sondern alle Themen gründlich zu besprechen. Das Ding ausm Sumpf hat das geschafft. Alles in ein Album zu packen, um die eigene Bandbreite zu testen ist gewagt und kann oft schiefgehen, aber das man sich so vielfältig ausdrücken kann beweist, dass man das Zeug dazu hat, die Deutschrap-Szene auf den Kopf zu stellen. Mit Ernsthaftigkeit und einer kleinen Prise Wahnsinn.
Paula Thode
Paula kommt eigentlich aus Cuxhaven, ist dann aber für ihr FSJ nach Hamburg gezogen. Dort hält sie es durch die Liebe zum Underground Hip Hop und aus Faszination zum autonomen Zentrum in der Schanze ganz gut aus. Ihre Liebe zur Musik hat sie durch die Antilopen Gang entdeckt und seitdem interessiert sie sich für alles, was nicht Mainstream-Deutschrap ist.