HININ und „Noyés“: Deprimierende Coolness
07.12.2017 | Johannes Kley

HININ kommt aus dem Japanischen und bedeutet ungefähr so etwas wie „Nicht-Mensch“ und wurde in der Edo-Periode als Bezeichnung für Prostituierte und Bettler genutzt. Damit wäre die Grundstimmung schonmal geklärt. Der Albumtitel „Noyés“ heißt übersetzt „ertrunken“ und ist mehr als passend. Post-Punk zeichnet sich seit jeher durch eine düstere und selten frohmütige Grundstimmung aus. Diese wird hier sehr gut eingefangen und spiegelt sich auch in den Liedern wider.
Da die meisten hier vermutlich entweder noch nie oder nur mal auf dem Gymnasium mit der französischen Sprache in Kontakt kamen, haben wir hier für euch mal eine kurze Zusammenfassung der Songs und deren Inhalt. Die Lyrik ist ebenso düster, wie es der Bandname verspricht. Geht es im ersten Lied „Concrête“ um den Alltag, zermürbende Langeweile und Suizidgedanken, sind die nächsten zwei Songs traurige Liebeslieder. Der Verlust der Liebe, das damit einhergehende Unverständnis, und die Geschichte einer Beziehung, welche wie so oft tragisch enden muss. Lied Nummer vier ist dann eher politisch und greift die Thematik der Proteste in Frankreich auf. Demonstration für mehr Gerechtigkeit und soziale Lebensbedingungen, welche brutal von der übermächtigen Polizei niedergeknüppelt werden.
Auch ohne die Sprache perfekt zu verstehen wird die Stimmung sehr gut über die teils minimalistische Instrumentalisierung und den unbearbeiteten kühlen Kopfgesang transportiert. Die Drums klingen an einigen Stellen wie aus dem Computer, was im Post-Punk ja eigentlich schon zum guten Ton gehört. Spielt der Bass bei den meisten Bands und Genres eine Hintergrundrolle, so hat er hier eine deutlich wichtigere Position und treibt mit simplen, aber eingängigen Spuren den Song nach vorne, während die Gitarre mal verspielt, mal schmerzlich verzerrt darüber spielt. Die Produktion ist gelungen und muss sich trotz DIY nicht hinter anderen Vertretern des Genres verstecken.
Post-Punk ist definitiv Geschmacksache, aber was die zwei Franzosen hier in zwei Tagen auf die Beine gestellt haben ist beachtlich. Das Genre wurde hier definitiv nicht neu erfunden, die vier Songs machen aber alles richtig.
Wertung
Inhaltlich erbarmungslos und musikalisch mal treibend, mal runterziehend. Schöner Post-Punk für die nicht so schönen Stunden.

Johannes Kley
Kolumnist und Konzertmuffel Joe ist Gesundheits- und Krankenpfleger in Bochum, liebt seinen Hund, liest leidenschaftlich gern, gibt ungern Bewertungen für Alben ab, ist Musikliebhaber, irgendwo zwischen (emotional) Hardcore, Vaporwave, Goth-Pop und Nine Inch Nails und versorgt euch unregelmäßig mit geistigen Ergüssen aus seiner Gedanken- und Gefühlswelt.