Alessandro Cortini und "Volume Massimo": Keine Worte
20.09.2019 | Johannes Kley

Alessandro Cortini hat sich über die Jahre zu Recht einen guten Ruf im Bereich der Synthesizerszene gemacht. Abseits von Computern arbeitet er am liebsten mit alten Geräten und schafft es so einen lebhaften und warmen Sound zu erzeugen, der zu fesseln weiß. Oftmals geschah dies ohne Gesang und konnte dennoch Gefühle erzeugen. Das ist dem gebürtigen Italiener auf „Volume Massimo“ leider nicht ganz gelungen. Gefühle nur mit Instrumenten zu erzeugen ist eine Kunst, die es vermutlich so lange gibt wie Musik selbst. Orchester schaffen dies und auch moderne Künstler haben das Können Gefühlsregungen beim Hörer zu wecken, ohne das ein einziges Wort fällt. Alessandro Cortini hat dies auch bereits mehrfach bewiesen, beispielsweise seinem Projekt blindoldfreak und "Everything Ends Here".
Auf „Volume Massimo“ bleibt dieses Können ein wenig auf der Strecke. Die Songs sind abwechslungsreich und technisch begeisternd, verpassen es aber teilweise, die Hörerschaft mitzunehmen und in die Welt zu entführen, die im Kopf des Künstlers beim Musizieren existierte. Das Album ist keinesfalls gefühllos, aber wirkt an einigen Stellen einfach unnahbar und eröffnet sich auch nach vielen Durchgängen nur spärlich. Es ist stets atmosphärisch und strahlt teils Bedrohung und teils Entspannung aus, aber der rote Faden, den man beispielsweise auf dem Vorgängeralbum "Avanti" noch fand, scheint hier zu fehlen. Die Songs wirken in eine willkürliche Reihenfolge eingereiht und erzählen keine Geschichte.
„Volume Massimo“ ist anspruchsvoll und technisch sehr gut, funktioniert aber in seiner Rolle als Album nicht so, wie es Cortini vermutlich geplant hat. Als Score für einen atmosphärischen Film oder ein Videospiel, bei der die Platte eher im Hintergrund bleiben dürfte und die Basis für etwas bieten könnte, würde es sicherlich besser funktionieren. So bleibt es aber ein Album für Liebhaber durchdachter Synthiemusik und Fans von Alessandro Cortini.
Wertung
Neben Trent Reznor gehört Cortini zu meinen Lieblingspersonen im Musikbereich und so war ich sehr auf das Album gespannt, auch weil der Vorgänger „Avanti“ mich schwer begeistert hat. Leider verpasst „Volume Massimo“ diesen Moment und dürfte wohl nur etwas für eingefleischte Fans und Synthie-Freunde sein.

Johannes Kley
Kolumnist und Konzertmuffel Joe ist Gesundheits- und Krankenpfleger in Bochum, liebt seinen Hund, liest leidenschaftlich gern, gibt ungern Bewertungen für Alben ab, ist Musikliebhaber, irgendwo zwischen (emotional) Hardcore, Vaporwave, Goth-Pop und Nine Inch Nails und versorgt euch unregelmäßig mit geistigen Ergüssen aus seiner Gedanken- und Gefühlswelt.