At The Gates und "The Nightmare Of Being": Möchte jemand ein Hustenbonbon?
31.07.2021 | Jannika Hoberg

In einer weltpolitisch düsteren Zeit inmitten einer Pandemie ein Album zu veröffentlichen, sollte gefundenes Fressen für eine Deathmetal-Band sein, deren Sänger durchgängig so klingt, als würde er dringend ein Hustenbonbon benötigen. Und At The Gates lassen sich die Chance natürlich nicht nehmen, weiterhin den düsteren Sound auf Platte zu bringen, den sie seit 25 Jahren von sich geben – mit einem leichten Prog-Anstrich. Denn erwartet man sonst gnadenlosen Sound, der vor allem durch hohes Tempo und laute, kratzige Gitarren besticht, gibt es einzelne Passagen auf „The Nightmare Of Being“, die aus dem leichten Einheitsbrei der letzten Veröffentlichungen und auch einem großen Teil dieses Albums herausstechen. Als kompletter Song bleibt sicherlich „Garden Of Cyrus“ in Erinnerung, insbesondere durch den Einsatz eines Saxofons - und durch das fast doomig wirkende Tempo inklusive passendem Schlagzeug sowie der Abstinenz harter Gitarrenklänge.
Einige Songs bieten geradezu Plottwists, da wird von lateinischem Mönchsgesang zu Streichern und zu gnadenlosen, zum Headbangen einladenden Passagen gesprungen – was Melodeath endlich irgendwie interessant macht. „The Fall Into Times“ beispielsweise beginnt sehr ruhig mit Paukenschlägen, Chorgesang und wird wahnsinnig groß aufgezogen. Bis dann durch den Einsatz von Tomas Lindbergs Stimminstrument der epische einen leichten, aber sehr lauten Dämpfer erhält.
Wertung
Gerade Menschen, die den Sound und die Songlängen von Meshuggah genießen, werden mit der neuen Kreation von At The Gates sicherlich etwas anfangen können, wenn sie auch weder die klassischen Death-Metal-Fans noch die „Ich packe einen Song in meine Playlist“-Hörer:innen wirklich beglücken dürfte. Und die Stimme muss man mögen.

Jannika Hoberg
Jannie begeistert von Punk über Metal bis hin zu Hardcore alles, ob aggressive Beats oder auch mal soft - auch außerhalb dieses Genrespektrums. Neben der Leidenschaft für Konzertfotografie ist Jannie mit verschiedenen Instrumenten für diverse Jamsessions zu haben. Zuhause ist dey auf Konzerten und Festivals, ansonsten studiert Jannie nebenbei noch Umweltingenieurwesen in Weimar.