Raum27 und "Keine Tränen": Warum eigentlich nicht?
19.02.2025 | Mark Schneider

Auch wenn es nur zwei Marken sind, können wir sie doch für die Entwicklung von Raum27 seit dem Debüt "Anfangen Anzufangen" heranziehen: 32.000 Instagram-Follower stehen den zum Zeitpunkt des Debüts circa 10.000 Accounts gegenüber. Fast eine halbe Million monatliche Hörer*innen bei Spotify verzeichnet die Band zudem mittlerweile. Im Februar und März 2025 begeben sich Raum27 auf ihre "Keine Tränen Tour 2025", die das aus eigener Erfahrung so zu bezeichnende Liveerlebnis in ganz Deutschland sowie in Salzburg und Wien verfügbar macht. Passend dazu steht das zweite Album "Keine Tränen" in den Startlöchern. Sieben der dreizehn Titel darauf sind zum Release bereits veröffentlicht, weitere sechs gesellen sich nun dazu.
"Schenk mir dein Herz! Und ich dir blauen Flieder im Sommer." ("Sommergewitter")
Die ersten vier Titel auf "Keine Tränen" sind nicht nur allesamt bereits veröffentlicht, sondern erzeugen auch das erste große Aufatmen: Raum27 bleiben sich im direkten Vergleich zum Vorgänger stylistisch größtenteils treu. Die Emotionen, die nicht immer positiv ausfallen müssen, stehen bei Mathis und Tristan immer noch an erster Stelle. Die Texte sind nach wie vor in der Ich-Form geschrieben und laden dadurch nur so dazu ein, mitgefühlt zu werden. Sie malen Bilder und sind greifbar. "Sommergewitter" als erster Titel des Albums vereint all diese Punkte eindrucksvoll, "Meer" als der direkt nachfolgende Song hat bereits im letzten August einen festen Platz in vielen Playlists in meinem direkten Umfeld eingenommen. Der Song behandelt nicht nur das Meer an sich als Sehnsuchtsort, sondern funktioniert aus persönlicher Erfahrung auch auf dem Weg dorthin allerbestens, wenn die Gedanken beim Blick aus dem Auto oder Zug schweifen dürfen. Generell lädt "Keine Tränen" dazu ein, Emotionen zuzulassen und gleichzeitig die Alltagsprobleme das sein zu lassen, was sie nun einmal sind. Obwohl auch die Alltagsprobleme einen gewissen Raum auf dem Album erhalten.
"Männer werden Frauen! Und niemand Dachdecker." ("Wie du bist")
Der Mittelteil von "Keine Tränen" hat es wirklich in sich. "Bitte bitte" ist für bisher bekannte Verhältnisse der Inhalte von Raum27 ungewohnt explizit, doch auch zwischenmenschliche, körperliche Annährungen gehören zum Emotionsspektrum des Menschen und somit absolut auf ein Album der Band. "Warum tun die 20er so weh" und "Wie du bist" sind musikalisch etwas rauer gestaltet, "Wie du bist" ist dabei inhaltlich aber umso wichtiger. Der Song dreht sich um Anfeindungen im Alltag, die zum Beispiel durch die eigene Kleidung provoziert werden und von außen betrachtet so unglaublich unnötig sind. Das lyrische Ich bekommt die Zeile aus der Überschrift dabei beim Bäcker entgegen geschmettert. Eine Situation, die leider genauso wie das Schimpfen über das Gendern nicht zu 100 Prozent der Fantasie der Band entsprungen sein wird.
"Hab dir mein Herz gezeigt, wie mich niemand anderes kennt" ("Keine Tränen")
Im letzten Drittel finden sich mit "Feuerwehr", der noch einmal einige Gänge zurück schaltet, und dem allerletzten sowie für das Album namensgebenden Song "Keine Tränen" noch einmal zwei erwähnenswerte Momente. Während auf anderen Platten die starken Momente im Verlauf nachzulassen scheinen, geht die emotionale Reise von Raum27 bis zum letzten Ton auf gleichbleibendem Niveau weiter. In "Keine Tränen" schließt die Band dann nicht nur den Kreis zur bereits von "Anfangen Anzufangen" bekannten Frida, sondern auch ein Album ab, das die durch das Debüt zwangsläufig erzeugten Erwartungen vollständig erfüllt und an vielen Punkten sogar übertreffen kann.
Wertung
Auch wenn viele von euch es beim Blick auf meine musikalischen Themen hier nicht vermuten werden, haben Raum27 mich von Anfang an begeistert. Und wenn auch das zweite Album der Band bei mir schon so viele Stunden gelaufen ist, wird es im Rahmen der neuen Tour auch Zeit für einen zweiten Konzertbesuch für mich. Darüber solltet ihr ebenfalls nachdenken!

Mark Schneider
Mark kommt aus der wunderschönen, ländlichen Provinz zwischen Siegen und Marburg an der Lahn. Ob kleine Acts im Club oder Musikgiganten vor Tausenden: Besucht wird, was laut ist und Spaß macht! Dabei sind im Genre (fast) keine Grenzen gesetzt.