#zweiraumsilke und „Detox“: Sympathisches Musikerkollektiv
21.07.2019 | Meret Stursberg

Mit einem schnellen und eingängigen Beat eröffnen die Mitglieder von #zweiraumsilke ihr per Crowdfunding finanziertes Debütalbum „Detox“ mit dem gleichnamigen ersten Song. Man hört Einflüsse aus deutschsprachigem HipHop, Soul, Jazz und Funk – vielleicht das Produkt vieler verschiedener Köpfe, denn die Band zählt ganze zwölf Mitglieder. Wenngleich diese Vielfalt einen beim ersten Hören ein wenig erschlagen kann, sorgt sie im Gegenzug doch dafür, dass für fast jeden etwas dabei ist.
Insgesamt erwecken #zweiraumsilke den Eindruck einer Lokalband, die langsam versucht, ihren Weg nach oben zu bestreiten, was sie schon beim ersten Hören recht sympathisch macht. Stilistisch erinnert das Album etwas an Seeed (was auch an dem Produzenten Kraans de Lutin liegt, der auch schon für Seeed produzierte): die Beats sind ähnlich, teils tanzbar und packend, teils aber auch eher ruhig und entspannend. Die Songs „Alles“ und „Nichts“ erinnern sowohl in der inhaltlichen, philosophischen Note, als auch im Stil des deutschsprachigen Rap an Käptn Peng und die Tentakel von Delphi. „Alles“ wirkt aufgrund der Gaming-Sound Elemente ein wenig von Materia inspiriert. Mit der Single „Nachtbus“ kommt ein ohrwurmlastiger Song, welchen #zweiraumsilke mit Video schon im Vorfeld herausgebracht hatten.
Thematisch behandelt dieser genau wie andere Songs eher private, ehrliche und direkte, aber vor allem sehr selbstironische und auch gesellschaftskritische Texte. Eine Mischung aus sehr klar beschriebenen Situationen (wie zum Beispiel: „Stopp leuchtet rot, Bus hält, Hydraulik zischt“ aus „Nachtbus“), aber auch viel bildlicher Sprache, wie beispielsweise der Bär als Metapher für die Depression im gleichnamigen Track. Die etwas zusammengewürfelt klingende Mixtur aus Musik und Stimme des Frontmanns Emma fällt in manchen Songs hingegen negativ auf. Nicht immer will die Mischung aus Blasinstrumenten und Rap gut zueinander passen.
Die Band selbst beschreibt „Detox“ als „gedankliche Entgiftung in Form von 14 Songs“, da sie neben dem ganzen Stress zwischen Band, Uni und Privatleben auch mal Zeit für Entspannung und Entgiftung von den vielen Lastern brauchen. Man merkt, dass die Mitglieder Spaß an ihrer Musik haben und sich Gedanken machen, wie sie ihre persönlichen Eindrücke, Gefühle und Erfahrungen klanglich umsetzen können. Insbesondere hervorheben und würdigen kann man hier, dass Emma sich extra für das „Detox“-Video eine Glatze rasiert hat.
Wertung
Schönes Projekt, kann man sich gut mal anhören. Die Aussagen kann man meist gut nachvollziehen, musikalisch sehr interessant. Jedoch sind die Stimme und Flow des Rappers sowie einige Zeilen nicht ganz mein Fall.

Meret Stursberg
Momentan studiert Meret Philosophie in Düsseldorf und arbeitet ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe, treibt sich aber ansonsten die ganze Zeit auf Konzerten oder Festivals quer durch Deutschland und in anderen Ländern rum. Sie liebt Reisen und lernt auch im Ausland viele interessante Musiker kennen. Ansonsten spielt sie selber mehr schlecht als recht Bass in einer kleinen Punk-Band. Musikalisch kann sie fast jedem Genre etwas abgewinnen und bezeichnet ihre Playlist auch als Büchse der Pandora, weil zwischen Punk, Indie, Rock, Ska, Metal, Trash und Hip Hop manchmal auch einfach klassische Musik oder Kinderserien-Intros anspringen.