Portrait: KMPFSPRT beim popNRW Preis 2016
28.01.2016 | Jakob Uhlig

Es passt zur Einstellung, mit der KMPFSPRT ihre Band angehen. Trotz wachsendem Erfolg machen die Punkrocker ihre Musik nicht zum Hauptberuf, haben nebenher noch andere Jobs. „Natürlich ist mit damit ein großer organisatorischer Aufwand verbunden, man muss einige Abstriche im Leben machen“, erklärt David. „Aber es gab darum nie eine wirkliche Diskussion. Wir haben einfach alle Bock, Teil dieser Band zu sein, und dann ist das so in Ordnung.“ Die Musik zur hauptsächlichen Einkommensquelle zu machen sei aber auch gar nicht das erklärte Ziel. „Viele Bands machen den Fehler, unbedingt von der Musik leben zu wollen, und sind so gezwungen, Auftritte zu machen und Platten zu produzieren. Aber dann wird das Ganze zur Mechanik. Das wollen wir nicht.“
Auch wenn KMPFSPRT sich für die Preisverleihung keine hohen Chancen ausrechnen, zeigen sie sich für ihre Nominierung sehr dankbar. Die Tatsache, dass sie als Punkband an dieser Stelle stehen, wäre in der Entstehungszeit des deutschen Punks noch völlig undenkbar gewesen. „Natürlich ist Punk heutzutage ein Stück weit mainstreamfähig geworden“, räumt David ein. „Spätestens seit es Bands wie Green Day gibt, hat sich das Bild dieser ehemaligen Underground-Kultur verändert.“ „Ich halte die Popularität solcher Bands aber für legitim“, ergänzt Richard. „Im Gegensatz zu vielen anderen großen Acts haben große Punkbands ja immer noch eine Message, die sie vertreten. Wenn sie diese vor so einem breiten Publikum teilen können, ist das doch etwas Positives.“ Trotzdem gebe es noch immer Bands, die den Punktraum der späten Siebziger leben. David nennt dabei auch die ebenfalls nominierten EA80: „Die gibt es seit einer halben Ewigkeit, obwohl sie alles eigenhändig machen und noch nicht einmal auf Facebook sind. Das ist richtig Punk. Wenn es irgendjemand verdient hat, heute zu gewinnen, dann die.“
Weder EA80 noch KMPFSPRT können am heutigen Abend einen Preis abräumen. Dass sie das ernsthaft stören wird, ist eher nicht anzunehmen. Gedanklich sind sie wahrscheinlich schon wieder beim nächsten Gig in der verschwitzten, kleinen Hafenkneipe. Punks eben

Jakob Uhlig
Jakob kommt aus dem hohen Norden und studiert zur Zeit historische Musikwissenschaft. Bei Album der Woche ist er, neben seiner Tätigkeit als Schreiberling, auch für die Qualitätskontrolle zuständig. Musikalisch liebt er alles von Wiener Klassik bis Deathcore, seine musikalische Heimat wird aber immer die Rockmusik in all ihren Facetten bleiben.