Joes Jahresrückblick 2019
24.12.2019 | Johannes Kley

Album des Jahres: Ich verstehe nicht, wie Counterparts es immer noch schaffen, grandiose Alben rauszubringen. Normalerweise müssten sie längst auf dem absteigenden Ast sein und doch ist „Nothing Left To Love“ absolut genial. Es ist schmerzhaft und aggressiv und kein Song fühlt sich unnötig oder Fehl am Platz an. Das Album beweist nur erneut, wie essentiell Counterparts für die Musikwelt und vor allem für mich sind.
Neuentdeckung des Jahres: Ich liebe Emocore und Melodic Hardcore. Holding Abscence sind eine schöne Verschmelzung beider Genres. Mit hochemotionalen Texten und wunderschönen Melodien haben Holding Abscence mich im richtigen Moment des Jahres erwischt und absolut umgehauen. Auch wenn das Album nicht perfekt ist, so sind die Schwächen im Vergleich zu den meisten Tracks problemlos zu ignorieren und wissen zu berühren.
Enttäuschung des Jahres: Being As An Ocean gehörten für mich seit ihrem Debütalbum zu den wichtigsten Acts im Melodic Hardcore . Mit jedem Album entfernten sie sich mehr und mehr von ihrem ursprünglichen Sound und doch fühlte es sich weiterhin nach der selben Band an. Mit „Proxy - An A.N.I.M.O. Story“ entfernen sie sich endgültig von ihren Wurzeln und klingen ein bisschen wie die späten Linkin Park mit teils vorhersehbaren Radiorocksongs. Jede Band soll sich weiterentwickeln dürfen und ich achte ihre Entscheidung, aber es war ein Schritt, den ich als Fan nicht mehr mitgehen konnte.
Trent-Reznor-Album des Jahres: Trent Reznor und sein Bandkollege Atticus Ross haben ein aktives Jahr hinter sich. Mehrere Scores erblickten das Licht der Welt und weitere sind schon auf dem Weg. Von all den Scores, die 2019 veröffentlicht wurden, ist „Watchmen: Volume 1“ mein Favorit. Ein gute Mischung als düsteren und ruhigen Tracks, die atmosphärisch klingt und Lust auf die Serie gemacht hat.
Konzert des Jahres: Casey sind zu für mich zu einer der wichtigsten Bands im Hardcore geworden und als das Ende ihrer Karriere angekündigt wurde, brach es mir das Herz. Das Konzert war ein wunderschöner Abschluß für eine viel zu kurze Karriere. Es war gefühlvoll und die Stimmung war einem Abend mit dieser Bedeutung würdig. Ich war nicht auf vielen Konzerten in diesem Jahr, aber keines hätte dieses überbieten können.
Lieblingsaward des Jahres: Trent Reznor und Atticus Ross wurden bei „Old Town Road“ von Lil Nas X gesamplet und wie einige eventuell wissen, war dieser Song extrem erfolgreich und gewann einen Country Music Award. Da Reznor und Ross aufgrund des Samples in den Credits erwähnt werden mussten, sind sie nun offiziell Gewinner eines CMA. Mehr muss ich wohl nicht schreiben.
Vaporwave-Release des Jahres: Modern Talking war nie eine Band, die ich sonderlich für ihre Musik geschätzt habe. Aber als Lotus ? Forever die beiden Musiker ästhetisch werden ließ, konnte ich nicht weghören. "??????????" hat mich sehr gut unterhalten und tut es immer noch. Ich habe es mir sogar auf Kassette gekauft und mein Bild im Redaktionsprofil angepasst, damit es so aussieht wie die zwei Jungs auf dem Albumcover. Definitiv ein Album, das gehört werden sollte.
Album-der-Woche-Moment des Jahres: Nach unzähligen Stunden gemeinsamer Arbeit über das Internet, habe ich es im Oktober endlich geschafft, einen Teil der Redaktion mal im echten Leben kennen- und lieben zu lernen. Das Teamtreffen waren zwei wundervolle Tage und ich freue mich schon auf das nächste Treffen, mit Live-Kreuzverhören, miesen Wortspielen und zu viel Bier.

Johannes Kley
Kolumnist und Konzertmuffel Joe ist Gesundheits- und Krankenpfleger in Bochum, liebt seinen Hund, liest leidenschaftlich gern, gibt ungern Bewertungen für Alben ab, ist Musikliebhaber, irgendwo zwischen (emotional) Hardcore, Vaporwave, Goth-Pop und Nine Inch Nails und versorgt euch unregelmäßig mit geistigen Ergüssen aus seiner Gedanken- und Gefühlswelt.